Informationen der Landezahnärztekammer und der Bundeszahnärztekammer zum Corona-Virus

Sollte eine professionelle Zahnreinigung (PZR) während der CORONA-Pandemie durchgeführt werden?

Grundsätzlich gilt: Die Entscheidung über die Notwendigkeit einer Behandlung trifft die Zahnärztin oder der Zahnarzt abhängig vom individuellen Risiko und der Komplikationsdichte des Eingriffs im konkreten Patientenfall.

Das betrifft nicht nur Notfallbehandlungen, sondern kann einen Eingriff umfassen, der die Beschwerden des Patienten kurz-, mittel- oder langfristig lindert oder die Verschlimmerung der bestehenden Erkrankung vermeidet.

Bei vulnerablen Patienten und Patienten mit hohen Risiken sollte die Behandlung nur auf eine Notfallbehandlung beschränkt werden.

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollte dennoch die Entstehung und Verbreitung von Aerosolen wirksam vermindert werden.

Das zahnärztliche Team unterliegt in Deutschland schon immer strengen Hygienevorschriften, die zu einem hohen Schutzniveau auch bei der Behandlung von potentiell infektiösen Patienten in den Praxen beitragen.

Die professionelle Zahnreinigung (PZR) ist eine präventive Leistung zur Vermeidung von Karies, Gingivitis und Parodontitis aber auch ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen im Rahmen der Nachbehandlung (Erhaltungstherapie) nach einer Parodontitistherapie.
Sie dient somit dem Zweck, eine Verschlimmerung einer chronischen Erkrankung des Zahnbettes (Parodontitis) zu vermeiden.

Abhängig vom individuellen Risiko des Patienten, ist sie eine medizinisch notwendige Maßnahme, die keinesfalls vornehmlich ästhetische Belange erfüllt, sondern zum Zweck alle bakteriellen und krankheitsauslösenden Beläge (Biofilm) auf der erreichbaren Zahnoberfläche zu entfernen.

Zudem werden dem Patienten wichtige Hinweise für eine optimale Mundhygiene vermittelt, die vermeiden können, dass Beschwerdelagen, Erkrankungen oder eine Verschlimmerung einer Erkrankung in der Mundhöhle entstehen.

Im Rahmen der PZR sollte derzeit auf aerosolauslösende Technologien durch den Einsatz von Handinstrumenten verzichtet werden, was den Empfehlungen der BZÄK entspricht.

INFORMATIONEN ZUM CORONA-VIRUS DER LANDES­ZAHNÄRZTE­KAMMER

Umgang in der Praxis
Nach Auskunft des RKI geht eine Gefahr der Infektionsübertragung gegenwärtig vor allem von erkrankten Personen und Personen aus, die in letzter Zeit Kontakt zu Erkrankten hatten.

1. Anamnese
Der Anamneseerhebung kommt deshalb zur Begrenzung des Infektionsrisikos eine große und zentrale Bedeutung zu.
In diesem Zusammenhang spielen die Aufklärung der Patienten und die stete Aufklärung und Schulung des Behandlungsteams eine weitere wichtige Rolle.

2. Routinemäßige Behandlung von Patienten ohne COVID-19 (Verdacht oder Nachweis)
Die Übertragung von Viren durch anamnetisch unauffällige, symptomlos erkrankte Personen kann durch die Einhaltung von Standard-Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen verhindert werden. Die diesbezüglichen Vorgaben für Zahnarztpraxen sind im Hygieneplan und den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – Anforderungen an die Hygiene“ sowie der „Technischen Regel für biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250)“ festgehalten.

2.1 Standard-Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen
In der zahnärztlichen Praxis sind selbstverständlich die üblichen Standard-Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

2.1.1
Dazu gehören in Abhängigkeit von Art und Umfang des Infektionsrisikos und der Exposition das konsequente und ordnungsgemäße Tragen eines chirurgischen Mund-Nasen-Schutzes, einer Schutzbrille mit Seitenschutz und medizinischen Einmalhandschuhen. Die zusätzliche Verwendung von Visieren/ Schutzschilden kann die Sicherheit weiter erhöhen.

2.1.2
Bei allen Patienten sollte vor einer Behandlung unter Einsatz wassergekühlter Übertragungsinstrumente eine antimikrobielle Mundspülung erfolgen.

2.1.3
Auf eine wirksame Absaugtechnik wird stets geachtet.

2.1.4
Möglichst unter Spanngummi („Kofferdam“) behandeln.

2.1.5
Weitere Hygienemaßnahmen aus der RKI-Empfehlung „Zahnheilkunde“ und dem Hygieneplan sind konsequent umzusetzen.

3. Behandlung von Patienten mit COVID-19 (aus Anamnese begründeter Verdacht oder Nachweis)
Um einer Weiterverbreitung des Virus entgegen zu wirken, sollten Patienten durch geeignete Maßnahmen (z.B. Homepage, Aushänge an und in der Praxis) informiert werden, dass sie sich bei Atemwegsinfektionen, die z. B. im Zusammenhang mit einem SARS-CoV-2-Infizierten (COVID-19) in Kontakt stehen, zuerst telefonisch mit der Praxis in Verbindung setzen.

Patienten, die bereits Symptome einer akuten respiratorischen Erkrankung der unteren Atemwege (Husten, Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Atembeschwerden und Luftnot, Müdigkeit, Appetitlosigkeit) zeigen, sollten zur Sicherung der Diagnose an den Hausarzt bzw. den kassenärztlichen Notdienst unter Tel. 116 117 verwiesen werden.

 

INFORMATIONEN ZUM CORONA-VIRUS DER BUNDES­ZAHNÄRZTE­KAMMER

Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Bestandteil der Primärversorgung

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde einschließlich der Fachzahnarztqualifikationen ein integraler Bestandteil im Sinne einer Facharztgruppierung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung ist. Sie ist gleichzeitig wesentlicher Bestandteil der medizinischen Primärversorgung der Bevölkerung und wird im Rahmen des Sicherstellungsauftrages der Sozialgesetzgebung V entsprechend definiert.

Kein erhöhtes Risiko
Nach bisher international und national vorliegenden Erkenntnissen zur Ausbreitung von Covid-19 gibt es derzeit keinerlei gesicherte Erkenntnisse, dass zahnmedizinische Behandlungen zu einer erhöhten Infektionsausbreitung in der Bevölkerung beigetragen haben, noch Erkenntnisse, dass zahnärztliche Behandlungsteams erhöhten Infektionsraten unterliegen.

Hohes Schutzniveau
Gleichzeitig ist festzustellen, dass die bisher geltenden – und durch weitere empfohlene Maßnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 ergänzten Hygienemaßnahmen und Arbeitsschutzbestimmungen – zu einem hohen Schutzniveau auch bei der Behandlung von potential infektiösen Patienten in den Praxen geführt haben.

Die Bundeszahnärztekammer hat entsprechend den allgemein gültigen Empfehlungen zur Vermeidung der Infektionsausbreitung ebenso Hinweise für die Einhaltung der Distanzregelung und Dekontaminationsmaßnahmen im Rahmen der Praxisorganisation abgegeben.

Notwendigkeit einer Behandlung
Die Entscheidung über die Notwendigkeit einer zahnmedizinischen Behandlung trifft die Zahnärztin oder der Zahnarzt, abhängig vom individuellen Risiko und der Komplikationsdichte des Eingriffs, im konkreten Patientenfall.
Dies betrifft alle Maßnahmen im Rahmen der zahnmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen und Prävention sowie Eingriffe, die Beschwerden des Patienten kurz-, mittel- oder langfristig lindern oder die Verschlimmerung der bestehenden Erkrankung vermeiden.
Zahnmedizinische Maßnahmen und Eingriffe dienen nicht nur der Erhaltung und Wiederherstellung der Mundgesundheit sondern auch der allgemeinen Gesundheit und stärken die Immunabwehr des Körpers.

Infizierte oder unter Verdacht stehende Patienten
Für die zahnärztliche Behandlung von Patienten, die an SARS-CoV-2 infiziert oder nach den Einschätzungen des RKI begründete Verdachtsfälle sind, gilt der Hinweis, dass diese nur in Notfällen, in Zentren oder Schwerpunktpraxen, unter Nutzung der notwendigen Schutzausrüstung (FFP2, flüssigkeitsdichte Kittel, Schutzbrillen, unsterile Handschuhe, Schutzhauben und Schutzschilder) behandelt werden. Hierfür sind speziell eingerichtete Corona-Ambulanzen und Schwerpunktpraxen eingerichtet. Mehr Informationen finden Siehier.

Aerosole
Einen Hinweis des RKI bezüglich des medizinischen Sektors im Zusammenhang mit Aerosol produzierenden Vorgängen, wie z. B. speziellen zahnärztlichen Prozeduren, hat die BZÄK mit weiteren Empfehlungen zur Vermeidung Aerosol bildender Interventionsmaßnahmen und Technologien aufgenommen.

Fazit

Im Ergebnis darf fachlich und sachlich festgestellt werden, dass bei Berücksichtigung dieser Empfehlungen die Einschränkung der zahnmedizinischen Behandlung weder zu rechtfertigen noch im Interesse der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung angemessen ist.

Keine Sonderrolle

Wie in anderen medizinischen Fachgebieten und pflegerischen Berufen bzw. bei Heilmittelerbringern (z. B. Ophthalmologie, HNO, Hörakustiker, Optiker, Physiotherapeuten, bei denen Tröpfcheninfektionen möglich sind und ggf. Aerosol bildende Maßnahmen eingesetzt werden), ergibt sich keinerlei Sonderrolle für die Zahnmedizin. Dies insbesondere vor dem Hintergrund der bereits seit langem geltenden und in der zahnärztlichen Versorgung eingesetzten hohen Hygienestandards und erweiterten Empfehlungen in der gegenwärtigen Situation.

Zahnheilkunde – medizinisch notwendige Leistungen

Das Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkundebeschreibt in §1 Abs. (3) folgendes: „Ausübung der Zahnheilkunde ist die berufsmäßige auf zahnmedizinisch wissenschaftliche Erkenntnisse begründete Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Als Krankheit ist jede von der Norm abweichende Erscheinung im Bereich der Zähne, des Mundes und der Kiefer anzusehen, einschließlich der Anomalien der Zahnstellung und des Fehlens von Zähnen.“

Somit handelt es sich bei zahnmedizinischen Behandlungen, um medizinisch notwendige und erforderliche Maßnahmen im Interesse der Krankheitsvermeidung, der Vermeidung der Entstehung von akuten Beschwerden gerade während der Zeit einer möglichen Covid-19 Infektion und der Vermeidung der Verschlimmerung bestehender Erkrankungen. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund der Einflüsse von oralen Erkrankungen auf medizinisch bedeutsame Erkrankungen, wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Apoplex und Herzinfarkte.

Zahnmedizinische Versorgung ist vor diesem Hintergrund ein elementarer Bestandteil der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung, auch unter den Gegebenheiten der Covid-19 Pandemie, und darf keinesfalls nur auf Notfälle, deren Definition zudem unbestimmt ist, im Interesse der Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung reduziert werden.